Der Auserwählte

Auf und ab. Höhen und Tiefen. Ist das das Leben?

Vorwärts gehen, unwissend. Dabei am Alten kleben.

Einreden, es ist schon alles gut, damit verdrängen was wirklich ist.

Was war, ist es bewältigt oder verlängere ich nur die Galgenfrist?

 

Gaukle mir eine Scheinwelt vor, denke habe mich im Griff.

Begreife nicht, dass kaum noch Zeit bleibt zu verlassen das sinkende Schiff.

Wo ist der Anker – das rettende Ufer – wo ist die Antwort

auf die Fragen des Lebens? Wieso werfe ich die Scheinwelt nicht über Bord?

 

Es scheint wie es ist. Ist aber nicht wie es scheint, hab bittere Tränen geweint.

Tränen der Trauer, der Hoffnung, der Not – es fehlt die Liebe, die alles vereint.

Meine, im Frieden mit mir zu sein. Eine Tür öffnet sich, ein Engel tritt ein.

Unscheinbar – nicht unübersehbar – ein Kind, verletzbar und verletzt, in hellem Schein.

 

Wie aus dem Nichts höre ich stille Schreie und doch sind sie da. Das Kind bringt sie mir.

Entfernung ist überbrückt durch Nähe, wie ich sie nie gespürt. Nicht du, nicht ich – wir.

Nicht ahnend was kommt, doch sehen und hören was mit mir geschieht.

Aus den stillen Schreien des verletzten Kindes wird ein Liebeslied.       

 

Bist mir nahe und doch so fern. Kommst von einem anderen Stern und doch kein Traum.

Unfassbar, fast nicht zu glauben, Entfernungen überwindend treffen wir uns auf kleinsten Raum.

Bist du der Auserwählte, von dem alle Welt spricht? Auf den alle ihre Hoffnung fällt.

Doch zum Entsetzen aller kommst du als Kind. Sie erwarten doch einen starken Held.

 

Zu mir kommt das Kind, verletzt und verletzlich und zeigt mir, wie ich wirklich bin.

Da ist kein Held, kein starker Mann – ein Kind bringt mir Liebe, gibt meinem Leben Sinn.

Hab keine Wahl, gebe mich dieser Liebe hin und sie gibt sich mir. Selbstlos, denn er ist

der Auserwählte, gekommen die Liebe zu bringen, allen die noch hoffen, damit ihrs wisst.

 

 

©Folkmar Drechsel-29.03.2008

Kommentar schreiben

Kommentare: 0