Adventskalender

Alle Jahre wieder. Wie sollte es auch anders sein? Am Kalender ist es zu lesen:

1. Advent, 2. Advent …Weihnachten.

Traurig, aber nicht verbittert, steht Friedrich am Fenster seiner kleinen Wohnung und blickt in die Weite der schönen Landschaft, die sich vor ihm auftut. Ihm ist, als könnte er sie herbei sehen, nach denen er sich sehnt. Seine Frau und die Kinder ohne die er nun schon fünf lange Jahre, weit weg von ihnen, leben muss. Ja, es ist seine Schuld, dass es so kam, da beißt die Maus keinen Faden ab. Da ist auch nichts zu beschönigen. Es geht auch nichts zurück zu drehen – leider. Allerdings bleibt die Frage: „Wie lange wird Schuld angerechnet…?

Immer wieder einmal sinnt er darüber nach, ob das alles so „gewollt“ ist, dass er quasi verjagt wurde? Und wenn ja, von wem ist es gewollt? Die ganz Frommen sagen „Gottgewollt“. Doch das will er so nicht stehen lassen. Andere meinen „Zufall“, aber wie ist es damit? Wer lässt uns denn etwas und auch noch so etwas zufallen? Nein! Irgendwie ist es anders. Da kam nichts geflogen, es ist auch nichts zu - gefallen. Es geschahen vor langer Zeit Dinge, die nicht wegzuwischen sind. Sie lösen sich auch nicht auf, indem nicht miteinander geredet wird und Schuldzuweisungen fallen – aufeinander zufallen…

Die Maus beißt keinen Faden ab. Doch Friedrich biss in den sauren Apfel und zog die Konsequenzen.

Ein Aphorismus von Stanislaw Lec geht ihm schon Jahrzehnte nicht aus dem Sinn.

„Aus Sümpfen sollte man Konsequenzen ziehen!“ Manchmal ist es schon gut, wenn einem zur rechten Zeit der richtige Spruch einfällt. Doch die Sprüche helfen nur, wenn wir sie auf uns anwenden. Und Dinge lösen sich erst, indem jeder für sich neu beginnt und das Seine dazu tut, dass sich im Leben etwas verändert.

So denkt Friedrich und stellt fest, dass es auch dieses Jahr wieder keinen Adventskalender gibt. Vor zwei Jahren hatte er sich selbst einen geschenkt. Aber irgendwie ist ihm das zu dumm.

Er hätte ja einen verschenken können. Aber wem? Fünf Jahre wohnt er schon am neuen Ort, aber Jemand dem er einen Adventskalender schenken könnte, hat er nicht gefunden. Freundlich sind die Menschen dort, aber Freundschaft schließen sie nicht so schnell. „Fast typisch für eine fromme Gegend. Jeder ist sich selbst der Nächste, “ denkt er und „besinnliche Adventszeit“. Ja, die Menschen sollten endlich zur Besinnung kommen und sich wieder aufeinander besinnen.

Advent. Advent, ein Lichtlein brennt…

Ja, wieso eigentlich nur im Advent? Bei Friedrich sowieso nicht. Zu jeder Mahlzeit zündet er eine Kerze an. Manchmal denkt er daran, ein zweites Gedeck auf den Tisch zu stellen. Es könnte ja Jemand kommen. Doch leider ist meist der Wunsch der Vater des Gedankens.

Der Kugelschreiber, mit dem er seine Gedanken zu Papier bringt, erinnert ihn an die Zeit davor. Auf ihm stehen sein Name und die Versicherungsgesellschaft, für die er gearbeitet hat. Doch was bleibt sind nicht nur die Erinnerungen. Mit einem Relikt aus den Erinnerungen schreibt Friedrich Zukunft. Ja, er schreibt, wie hier zu lesen ist…

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