Weihnachten oder was?

„Hast du schon gemerkt? Weihnachten steht vor der Tür.“

-„ Komm mir nicht schon wieder mit Weihnachten! Lass es stehen, soll sich ruhig eine fette Angina holen.“

„Wieso denn nicht, es ist doch bald wieder Weihnachten?“

-„Was geht mich das an, ich weiß sowieso noch nicht ob ich überhaupt hin gehe.“

„So geht das nicht!“

-„Das sage ich doch, aber du glaubst mir ja nicht.“

„Was hast du eigentlich gegen Weihnachten?“

-„Was soll ich haben? Nichts habe ich dagegen, aber ich bekomme jedes Jahr regelmäßig meinen Weihnachtskoller, so wie andere ihre Herbstdepression bekommen. Sie können nämlich ohne sie nicht leben.“

„Aha, du brauchst deinen Koller?“
-„Nein, brauche ich nicht, genau so wenig wie ich Weihnachten brauche. Der ganze Rummel geht mir auf den Senkel.“

„Du ziehst doch sowieso nur Slipper ohne Senkel an, da kann doch nichts passieren.“

-„Jetzt gehst du mir langsam auf den Senkel. Hier geht es um Weihnachten, du redest von Schuhen, ich komme mir vor wie ein Weihnachtsmann ohne Senkel.“

„Nun treibst du aber das Fass mit dem Boden auf die Spitze von dem Zacken aus der Krone. Ist dir Ostern lieber?“

-„Meinst du weil die Schokoladen Weihnachtsmänner umgetaufte Osterhasen sind? Dabei weiß du genau, dass ich keine Vollmilchschokolade mag. Es ist mir egal ob sie Weihnachtsmann oder Osterhase heißt, ich will sie nicht.“

„Wieso ist denn nun der Osterhase schuld, dass du keine Schokoladen Weihnachtsmänner magst? Wie magst du eigentlich Eier, weich oder hart gekocht?“

-Typisch Frau, wenn es spannend wird, die Diskussion endlich zur Sache geht, dann lenkst du ab. Was interessiert es den Weihnachtsmann wie der Osterhase seine Eier verspeist. Vielleicht will er sie auch nur geschaukelt haben, man kann ja nie wissen.“

„Da tust du dem Osterhasen aber unrecht, ihn gäbe es nämlich ohne den Weihnachtsmann gar nicht.“

-„Nun hast du endlich ein Alibi für die Pappnase mit Rauschebart gefunden. Hast du schon einmal wirklich darüber nachgedacht? Etwas Unechteres gibt es wohl kaum. Wenn die Pappnasen echt wären, brauchten sie sich nicht das ganze Jahr zu verstecken. Wovor haben sie eigentlich Angst?“

„Vielleicht erkannt zu werden.“

-„Wer soll sie denn erkennen wollen? Im richtigen Leben sind sie doch sowieso für ein Jahr verschwunden. Sie werden doch nur einmal im Jahr gebraucht, dann tauchen sie ab, keiner interessiert sich mehr für sie, außer die Süßwaren Industrie, die fangen ja schon Ostern an Weihnachtsmänner zu backen. Mich wundert es schon lange, dass sich die Leute nicht verarscht vorkommen.“

„Nun wirst du aber ordinär, lass das nicht den Weihnachtsmann hören, sonst hat er dieses Jahr nichts für dich im Sack.“

-„Endlich kommst du wieder zur Sache. Was geht mich der Sack vom Weihnachtsmann an. Der Schwanz vom Osterhasen interessiert mich auch nicht. Die Hohlköper gehen mir glatt am Arm vorbei, sie können mich mal mit Götz von Berlichingen.“

„Wie immer, wenn du nicht mehr weiter weißt, zitierst du Schiller. Lass dir doch selbst einmal etwas einfallen.“

-„Ach lieber Weihnachtsmann oder bist du gar eine Weihnachtsfrau?

Lass im Sack die Rute stecken, mache mich nicht immer nur zu Sau.

Weihnachten kann mir gestohlen bleiben. Ostern klaue gleich dazu.

Dann kann ich die Feste feiern wie ich will. Ohne euch hab ich meine Ruh‘.“

„Denkst du nun, dass du damit in den Dichterhimmel eingehst“

-„Nein, aber wenn das so weiter geht, dann gehe ich wirklich ein. Bei dem Rummel, der einem immer aufgedrückt wird, kann man sich ja gar nicht richtig entfalten. Das wirkt wie Antifaltencreme, bei der auch nicht immer alles glatt geht.“

„Stimmt, da könntest du mir eigentlich zu Weihnachten welche schenken, damit ich mich endlich entfalten kann. Es genügt nicht, dass du immer sagst: Es wird schon alles glatt gehen. Du musst auch etwas dafür tun.“

-„Schon gehst du mir wieder um den Bart, dabei ist immer noch nicht geklärt was wir mit Weihnachten machen.“

„Na wie immer. Du bekommst deinen Koller, ich bekomme ein Kollier und Antifaltencreme. Du entfaltest dich indem du die Hallelujafichte verzierst, ich lasse die Gans anbrennen. Das alles endet wie immer im Chaos, damit du wieder einen Grund hast Weihnachten abschaffen zu wollen.“

 

Die Ähnlichkeit mit nicht vorhandenen Personen ist gewollt. Jeder, der will, darf seinen Namen einsetzen dabei so tun, als ob er diese Gedanken, die er natürlich nie gehabt hat, ausspricht.

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