Sandsturm Teil 1

Noch wütete der Sandsturm und es schien, als gäbe es kein Entrinnen. Mira und Santal hatten mit ihrem Flugdrachen Schutz hinter einem Wall gefunden. So gut es ging bedeckten sie Augen und Nase. Der Sand raste nicht nur über sie hin, sie mussten sehr darauf achten nicht zugeschüttet zu werden. Als sie ihre Reise begannen sah alles sehr verheißungsvoll aus. Der Drache flog gleichmäßig über, grüne Wiesen und Wälder. Die Dörfer mit ihren Grashütten sahen lustig aus von oben. Auch die Städte der Menschen gaben so ein ganz anderes Bild. Riesen, Zwerge und Menschen sahen sie, die ihrer Arbeit nachgingen. Es war Erntezeit und das Wetter meinte es gut.

Sie kamen schnell voran und stellen bald fest, dass nicht mehr so viele Bäume und Wiesen zu sehen waren. Die Gegend, über der sie flogen wurde immer mehr von großen Sandflecken beherrscht. Und plötzlich verfinsterte sich der Himmel. Es ging alles sehr schnell. Zuerst dachten sie an ein Unwetter, doch es waren keine Gewitterwolken, die die Sonne verdeckten. Sturm, welcher immer stärker wurde, hinderte den Drachen am gleichmäßigen Flug. Wolken hätten sie überfliegen können, doch auch als sie den Drachen höher lenkten, nahm der Sturm nicht ab. Plötzlich wussten sie was das alles bedeutete, mit dem Wind kam Sand geflogen. Es stach wie mit tausenden Nadeln. Jeder Versuch höher zu fliegen misslang. Der Sandsturm kam ihnen nicht nur entgegen, es war als ob er sich mit ihnen nach oben bewegte. Also runter in die Sandwüste, in der Hoffnung etwas zu finden, was ihnen Schutz bot. Nachdem sie gelandet waren schleppten sie sich mühsam weiter. Kaum etwas sehend fanden sie den Wall der die Wucht des Sturmes milderte.

Ihre Gedanken kreisten um die sagenumwobene Höhle zu der sie vor Tagen aufgebrochen waren. Reden konnten sie nicht, aber sie kannten die Gedanken voneinander und hofften, dass es ihnen gelang das Ziel zu erreichen. Schon ihre Vorfahren erzählten sich von einer Wüste in die noch nie ein Elf gelangt war und von der Höhle, die mit Edelsteinen übersät sein soll. Je länger sie es sich erzählten, umso mehr tauchte die Meinung auf, es sei alles nur ein Märchen. Doch egal, wo Elfen zusammen waren, irgendeiner brachte das Gespräch auf die Höhle.

Vor drei Sommern besuchten Mira und Santal einen steinalten Zauberer. Sie hofften, dass er sie in seine Kunst einweihte. Doch er meinte, dass Elfen nicht zaubern sollen. Es wäre besser, sie nutzten ihre natürlichen Kräfte, um anderen zu helfen. Irgendwie schien er die beiden zu mögen, drum schenkte er ihnen eine uralte Pergamentrolle. „Öffnet die Rolle erst, wenn ihr wieder zu Hause seid und sprecht mit niemand drüber, sonst bringt sie euch Unglück.“ Mit diesen Worten überreichte er ihnen die mit einem Lederriemen verschlossene Rolle und wünschte ihnen Glück.

Schweigend flogen oder liefen sie, je nachdem ob sie Wiesen oder Wälder vor sich hatten, in ihr Land zurück. Daheim angekommen suchten sie sich einen einsamen Ort, an dem sie unbeobachtet waren, um die Rolle zu öffnen. Vorsichtig lösten sie den Knoten des Riemens und rollten das Pergament auf. Sie glaubten ihren Augen nicht zu trauen, denn sie sahen eine Karte mit der Wegbeschreibung zur Höhle, von der alle sprachen. Neben der Karte war der Weg beschrieben. Da lasen sie auch, dass zwei Jahre lang ein junger Flugdrache gefüttert werden soll, damit sie sich mit ihm vertraut machen konnten. Nach den zwei Jahren, stand da, also im dritten Sommer soll, wer die Karte besitzt, ohne jemand davon zu sagen mit dem Drachen zur Höhle fliegen.

 

Irgendetwas hatte sich in der Wüste verändert. Ja, es rauschte nicht mehr, leise rieselte noch etwas Sand auf sie, doch der Sturm war verstummt. Vorsichtig richteten sie sich auf, auch der Drache bewegte sich. Sie wischten dem Drachen und sich den Sand aus den Gesichtern und stellten fest, dass sie Hunger hatten. Also stärkten sie sich. Danach versuchten auf den Hügel zu klettern, um Ausschau zu halten. Sie hatten nämlich den Eindruck, dass sie ihrem Ziel nahe wären. Tatsächlich sahen sie in greifbarer Nähe ein Gebilde, welches aussah wie ein Felsen. Die Form war der Zeichnung ähnlich, die sie auf dem Pergament gesehen hatten. Sie buddelten ihre Sachen aus dem Sand und begannen mühsam durch die Wüste zu stapfen. Der Drache war zu erschöpft, als dass sie auf ihm hätten fliegen wollen. Über ihm herfliegen wollten sie auch nicht, das Ziel war ja nahe.

Am Felsen angekommen erkundeten sie ihn von allen Seiten. Auf dem Plan stand, dass sich im Fels ein Loch befindet, in dieses sollte ein Stock gesteckt werden, damit sich die Höhle öffnet.

Sie fanden das Loch und hatten einen Stock dabei. Als sie ihn so weit hinein schoben, bis es nicht weiter ging, knackte es und der Fels gab nach. Ein Spalt entstand, sie schlüpften hinein. Nachdem sie sahen, dass sich innen ein kleiner Griff befand, drückten sie den Stein zurück. Jetzt fiel ihnen erst ein, dass sie keine Lampe mit hatten. Doch die brauchten sie auch nicht. Eine, für sie nicht sichtbare, Öffnung brachte Licht in die Höhle. Ein Lichtstrahl traf auf eine Platte aus Bergkristall. Von ihr wurde das Licht in die Höhle reflektiert. Überall wo sie hin schauten glitzerte und funkelte es. Staunend standen sie vor den Schätzen der sagenumwobenen Höhle, die es nun nicht mehr nur in den Erzählungen ihres Volkes gab.

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