Die Spitzmaus

Kommissar Qualle, das war natürlich nicht sein richtiger Name, aber alle riefen ihn so, lehnte am Balkongeländer seines Hauses und rauchte eine Zigarre. Bei allem blauen Dunst, den er sich vormachte, versuchte er auch noch zu denken. Eigentlich tat er den ganzen Tag kaum etwas anderes als denken, denn das konnte er und zwar sehr scharf. Sonst wäre er sicher auch kein Kommissar geworden.

Doch irgendwie klappte es dieses Mal nicht so richtige mit dem Denken. Das Meeresrauschen lenkte ihn ständig ab. Jedenfalls klang es so, als würde irgendwo ein Meer rauschen. Komisch war das schon, denn er wohnte mitten im Wald. Über Vogelgezwitscher hätte er sich nicht gewundert und sein Blick wanderte zum Vogelhäuschen welches ihn anklagend ansah, es war leer. Und irgendwie kam es ihm eigenartig vor, denn was hat das Meer mit einem leeren Vogelhäuschen zu tun?

Doch etwas war da was er nicht einordnen konnte. Er rieb sich die Augen und traute ihnen nicht. Aus dem Häuschen blinzelte ihn eine Spitzmaus an und nicht nur das, sie grinste, als ob sie sich über ihn lustig machen wollte. Dabei wurde sie immer größer, nach kurzer Zeit war ihm als flögen die Holzteile vom Vogelhäuschen um seinen Kopf. Dann wurde es stockdunkel, wie bei einer Mondfinsternis. Alles um ihn wurde immer bedrohlicher, da war nichts mehr mit idyllischer Abendstimmung auf dem Balkon, es sah eher aus als würde sich eine Katastrophe zusammen brauen. Wie gelähmt stand Kommissar Qualle am Geländer, sein Gesicht färbte sich noch grauer als die Asche der Zigarre.

Noch immer konnte er keine klaren Gedanken fassen, ja er fasste es nicht was da mit ihm geschah. Die nicht greifbaren Gedanken explodierten in ihm und verursachten heftige Kopfschmerzen. Böse Träume hatte er ja öfter einmal, aber dieser war einer der Heftigsten. Als der Kommissar wach wurde, lag er schweißgebadet in seinem Bett. Nachdem er sich mit einem Küchenhandtuch oberflächlich abgetrocknet hatte, stellte er fest, dass er verkehrt im Bett lag. Seine Füße lagen auf dem Kopfkissen und schmerzten fürchterlich. Das war kein Wunder, denn tagsüber lief er die ganze Zeit durch die Stadt, in der Hoffnung auf die Spur eines Juwelendiebes zu stoßen.

Irgendwie, dachte er, muss ich mich einmal für einen Arztbesuch anmelden, so konnte es nicht weiter gehen, dass er sich schon verkehrt ins Bett legt. Und da zweite Gedanken meist die besten sind, freute er sich über den nächsten Gedanken, denn er brachte die Lösung für seinen aktuellen Fall: Die „Spitzmaus“ ist der Juwelendieb und er fragte sich, wieso er nicht schon früher darauf gekommen ist. Alle Spuren am Tatort deuteten doch auf ihn hin, den sie die „Spitzmaus“ nannten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0