Tote Seele

Nicht die Ewigkeit ist es, die sie in ihren Bann zieht, als sie beschließt, dem Drama ihres Lebens ein Ende zu bereiten. Es ist die Ignoranz, die sie umgibt, egal wo sie sich befindet.

In der Schule, zu Hause, unter denen die sich sogar Freunde nennen. Keiner will sie verstehen. Ist sie wirklich so anders, so befremdlich, unnahbar? Ob sie je eine Antwort auf diese Frage bekommt? Wahrscheinlich nicht, denn sie hat ja vor, auf diese Antwort nicht mehr zu warten.

 

Ist es Selbstverleugnung oder die Verleugnung durch die anderen, die immer so tun als wäre sie nicht da? Die sie aber auf der anderen Seite quälen, mobben, stalken, belächeln, hinter ihr her tuscheln, wo es nur irgend geht. Was ist eigentlich mit ihr, wieso geschieht das alles? Fragen über Fragen und keine Antworten. Schon lange hat sie es aufgegeben mit jemand darüber zu reden. Von allen wird sie nur beschwichtigt, es wäre doch nicht so schlimm und sie solle sich mal nicht so haben. Richtig hört ihr sowieso keiner zu. Noch bevor sie sagen kann, was sie bedrückt, wissen die anderen schon eine Antwort. Doch diese Antworten sind wie Peitschenhiebe und treiben sie immer mehr in ihre Verzweiflung.

 

Heute oder nie, sagt sie sich, wird sie es schaffen. Sie hasst sich gerade so sehr, dass sie kaum klar denken kann als sie einen kurzen Abschiedsbrief schreibt. In ihm steht nur „Ich kann nicht mehr – ich will nicht mehr!“ Dann wirft sie sich ihre Jacke über um zu ihrem Lieblingsplatz am See zu gehen. Bald läuft sie durch den Wald und atmet den harzig schmeckenden Duft ein. Kalt ist ihr, trotz der dicken Jacke. Sie rennt, doch davon wird es nicht warm, in ihr ist es kälter als draußen. Von ihrem See will sie Abschied nehmen. Hell scheint der Mond auf das Wasser in dem sich ihr Abbild spiegelt.

 

In der Ferne hört sie ein Käuzchen rufen, das lässt sie frösteln. Dann zieht sie ihre Jacke aus, streift den linken Ärmel hoch und nimmt die scharfe Klinge fest in ihre rechte Hand. Im Mondlicht glänzend ist es als würde von der Klinge ein Lichtstrahl auf sie zu kommen. Doch für Licht hat sie jetzt keinen Sinn mehr. Ein letztes Mal wird sie sich schneiden, doch diesmal tief. Rot läuft der Lebenssaft aus einem Leben, welches nicht mehr leben will. Sanft, fast als ob sie schwebt, gleitet sie auf das weiche Gras. Bevor ihre Sinne sie verlassen, ist es, als würde sie auf einen Flügel gehoben. So leicht ist ihr.

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Kommentare: 1
  • #1

    P.S (Mittwoch, 05 März 2014 17:41)

    Okay ich bin ehrlich es gefällt mir.

    obwohl es schwer zu lesen ist für.

    MFG Patrick