Urlaub mir Folgen

Meine Oma nahm mich, als ich Fünfzehn war, mit nach Malchow. Auf der Rückfahrt blieben wir zwei Tage in Berlin. Schon am ersten Abend fuhren wir nach Westberlin (die Mauer wurde erst 1961 gebaut) und sahen im Zoopalast einen Film mit Lieselotte Pulver. Am nächsten Tag ging es wieder rüber, diesmal kaufte Oma im KDW (Kaufhaus des Westens) und DEFAKA (Deutsches Familienkaufhaus) Stoffe und andere Sachen ein. In der DDR gab es ja nicht alles. Ihre besonderen Kunden, wie Frauen von Russischen Offizieren, hatten Sonderwünsche und Oma konnte fast alle erfüllen.
Was sie dafür kaufte, wurde im Geschäft in Pakete gepackt und nach Hause geschickt. Ein paar Sachen wie Parfum, Hautcreme, Bananen, Schokolade und Aal wollten wir im Handgepäck mitnehmen.
Für mich gab es eine Schachtel Zigaretten und eine Zeitung. Wenn sie nach den Großeinkäufen in kleine Geschäfte ging saß auf einer Bank, las Zeitung und rauchte. Das gehörte zu unserer Taktik, denn wir mussten damit rechnen, dass wir hochgezogen und verhört werden. Wenn es so kommen sollte, konnte ich immer sagen, dass ich nicht weiß was die Oma gekauft hat. Hin sind wir mit der S-Bahn, zurück wollte ich mit der U-Bahn fahren. Als die Bahn in der ersten Station im Osten hielt kamen in jedes Abteil drei Polizisten. Einer blieb an der Tür stehen, die Anderen kontrollierten die Ausweise. Wir wunderten uns schon, dass sie uns übersahen. Nachdem alle begutachtet waren kamen sie zu uns und meinten, dass wir mitkommen sollen.
Wir wurden in eine Baracke gebracht und getrennt verhört. Ich hielt mich an unsere Absprache und wusste von nichts. So deckten sich unsere Aussagen, doch damit war die Sache noch nicht zu Ende. Oma musste mit auf die Wache und ich sollte zum Ostbahnhof fahren. Dort wartete ich auf sie, von da wollten wir weiter nach Dresden. Nach Stunden kam sie endlich. Das Verhör dauerte lange da alles protokolliert wurde. Alles, was man in der DDR auch kaufen konnte (Parfum, Creme und Schokolade) wurde beschlagnahmt. Die Bananen und den Aal durften wir mitnehmen. Der Zug mit dem wir fahren wollten hatte nicht auf uns gewartet. Wir nahmen den Nächsten, bekamen von Dresden keinen Anschluss und mussten für die 30 km bis zu mir nach Hause eine Taxe nehmen. Im Grunde war alles gut gegangen, doch der Schreck saß uns noch lange in den Gliedern. Für meine Oma hatte es ein Nachspiel. Der Fall wurde in der "Freien Presse", die Zeitung für den Bezirk Karl-Marx-Stadt, ausgewertet.

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