Abend und Morgen

An diesem Abend hatte es der Mond nicht einfach sein Licht auf die Erde zu schicken. Die Wolken jagten sich gegenseitig. Es sah aus, als ob die kleinen vor den großen ausreißen würden. Sie ließen sie es immer wieder einmal finster sein, um den beiden einen Schabernack zu spielen. Wenn dann das Käuzchen schrie, klang es schauerlicher als sonst. Schweigend saßen sie und ließen sich von ihren Gedanken einfangen.

Der Einsiedler erinnerte sich an seinen alten Freund und freute sich, dass dessen Urenkel nun bei ihm saß. Dieser war in seinen Gedanken im Elfenwald Immergrün und überlegte, was Ilexia gerade tat. Ob sie bei der Großmutter saß, die ihr Märchen erzählte? Vielleicht dachte sie auch an ihn und machte sich Sorgen weil sie ihn zwei Tage nicht gesehen hatte.

Wieder pustete der Wind eine große Wolke vor den Mond. Da stand der Einsiedler auf und ging in die Höhle, Lovrix folgte ihm. Bald lagen sie unter ihren Wolldecken und es dauerte nicht lange, da dröhnte des Einsiedlers lautes Schnarchen durch die Höhle. Zum Glück war Lovrix vorher schon eingeschlafen und befand sich im Reich der Träume.

Er träumte, mit Ilexia über dem Einsiedlerwald zu fliegen. Unter ihnen sahen sie ein wunderschönes Märchenschloss und wünschten sich, dort wohnen zu können.

 

Es wurde Tag. Die Sonne blinzelte über den Horizont. Die Vögel sangen ihre Morgenlieder. Der Einsiedler regte und streckte sich, auch Lovrix wurde langsam wach. In seinem Körbchen rappelte das Eichhörnchen. Es war so mopsfidel, dass es in der Höhle rumsauste und auch manchmal nach draußen hopste. Bald würde es wieder in den Wald können. Aus Dankbarkeit blieb es noch eine Weile. Ihm ging es ja auch gut bei den beiden.

Einsiedler und Lovrix liefen zum Bach, den Schlaf aus den Augen waschen. Sie blinzelten in den neuen Tag und begrüßten ihn freundlich. In aller Gemütlichkeit wurde gefrühstückt. Dann packten sie, was sie für ihren Besuch in der Drachenerzhöhle brauchten in einen Rucksack: Spaten, Hammer, etwas zum Essen und für alle Fälle zwei Flaschen mit Wasser. Nicht überall würden sie einen Bach finden, aus dem sie trinken konnten. Fackeln nahmen sie mit, denn in der Höhle war es dunkel. Um zu den Erzen zu kommen, mussten sie ganz tief hinein gehen.

Das Wichtigste hatten sie dann fast noch vergessen. Lovrix drängelte, er konnte es kaum erwarten. Sie waren schon ein Stück von der Höhle entfernt, da fiel es dem Einsiedler ein. "Lovrix, wir müssen noch mal zurück.“

"Wieso?"

"Wir haben das Geschenk für den Wächterdrachen vergessen. Wenn wir ihm nichts mitbringen, lässt er uns nicht in die Höhle."

"Was wollen wir denn mitnehmen?"

"Du weißt schon, dass Drachen Beeren und Pilze fressen, damit sie fliegen können. Wir nehmen ihm ein Glas Walderdbeermarmelade mit, darüber wird er sich freuen." Der Einsiedler suchte ein besonders großes Glas aus.