Auf zur Drachenerzhöhle

Mit bloßen Füßen liefen Einsiedler und Lovrix über den weichen Waldweg. Lovrix trug den Rucksack. Der Einsiedler hatte den Spaten geschultert. Mit allen Sinnen nahmen sie den Wald wahr. Zuerst hörten sie einen Specht klopfen, dann sahen sie ihn vor seiner Baumhöhle mit einem Wurm im Schnabel. Er wollte seine Jungen füttern. Grillen zirpten und Vögel zwitscherten lustig auf den Ästen, andere schwirrten über sie hinweg. Es duftete nach Harz, Waldmeister und Bärlauch.

Plötzlich kam ein Fink ganz dicht an den Einsiedler herangeflogen. Er ließ ganz laut sein Pink, Pink, Pink ertönen, kam noch zweimal und verschwand wieder. Der Einsiedler blieb stehen und sah sich um. „Was ist?“, fragte Lovrix.

„Da siehst du einmal, wie gut der Buschfunk ist. Der Fink brachte eine Nachricht von der Sonnenvergissmeinnicht Blume. Hier ganz in der Nähe ist ein Wurzelgnom unter einen Ast geraten und kann sich nicht alleine befreien.“

„Und da sollen wir helfen?“

„Ja, darum lausche ich, ob ich ihn höre. Da drüben muss es sein.“ Schnell liefen sie zu dem Baum, aus dessen Richtung der Hilferuf kam. Sie fanden den Gnom unter einem dicken Ast gefangen und befreiten ihn schnell. Froh, wieder frei zu sein, bedankte er sich. Alleine hätte er es wirklich nicht geschafft. Nun würde er doch noch pünktlich zur Geburtstagsfeier seiner Oma kommen. Bei dem Gedanken an leckeren Waldbeerkuchen lief ihm das Wasser im Munde zusammen.

Auf einer Lichtung sahen der Einsiedler und Lovrix Rehe, die sich an frischen Gräsern labten. Als sie an ihnen vorbei liefen, meinte eines: „Da drüben ist eine Himbeerhecke.“

„Danke, ich pflücke welche“, rief Lovrix zurück. Bei den Himbeeren setzte sich der Einsiedler auf das weiche Moos, um etwas auszuruhen. Lovrix brachte ihm Beeren und ließ sich auch welche schmecken. Als sie weiter gingen, begegnete ihnen ein Fuchs. Eichhörnchen und Hasen spielten Hasche.

Die Vorfreude auf die Drachenerzhöhle war groß. Lange konnte es nicht mehr dauern. Noch eine halbe Stunde, dann müssten sie da sein. Lovrix war aufgeregt. Viele Gedanken geisterten durch seinen Kopf: Wie würde es sein mit dem Wächterdrachen? Müsste man sich vor ihm fürchten? Gibt es noch andere Gestalten, vor denen man sich in Acht nehmen sollte?

Da schimmerte ein ziemlich hoher Felsen durch die Bäume. Er war grau und ein paar schwarze Stellen bedeckten ihn. Auf seiner anderen Seite tat sich eine tiefe Schlucht auf. Als sie näher heran kamen, fragte Lovrix: „Wo ist denn der Eingang?“

„Wir müssen um die Felsen herum gehen. Aber vorsichtig! Den Wächterdrachen dürfen wir nicht erschrecken. Er ist gutmütig, doch wenn er erschrickt, kann er böse werden.“

Nachdem sie einige Meter um den Felsen herumgelaufen waren, gelangten sie in der Schlucht auf eine kleine Lichtung. Auf ihr tummelte sich der Wächterdrache.

Als der Drache sie bemerkte stieß er einen lauten Schrei aus und spie Feuer. Lovrix bekam einen Schreck und wäre fast weg gelaufen. Der Einsiedler beruhigt ihn und konnte ihn dazu bringen, den Drachen mit zu begrüßen. Der Elfenjunge gab dem Drachen die Marmelade und schon wurde dieser  wieder friedlich. Einsiedlers Marmelade mochte er nämlich ganz besonders. Nun konnte das Höhlenabenteuer beginnen.