Beim Einsiedler

"Komm, lass uns schlafen gehen, du bist sicher müde nach dem langen Tag“. Lovrix nahm das Eichhörnchen und folge dem Einsiedler.

Als sie die Höhle betraten wurde es plötzlich hell. Hunderte Glühwürmchen schwirrten herum. So etwas hatte Lovrix  noch nie in seinem Leben gesehen. Er blickte sich in der Höhle um. Ein Tisch und vier Stühle sah er. An den Wänden standen Regale. Alles selbst gebaut und sehr praktisch. Zwischen den Regalen befanden sich Truhen. Auf ihnen lagen kuschlig weiche Decken, dass man gut darauf sitzen konnte. In einem Regal standen sehr alte Bücher. Damit die Bücher nicht umkippten, hatte der Einsiedler dicke Quarze und Versteinerungen hingestellt.

Lovrix gähnte und merkte, dass er sich doch lieber hinlegen sollte. „Komm, ich zeige dir, wo du schlafen kannst“, sagte der Einsiedler und führte ihn in den hinteren Teil der Höhle. Da waren auf Moos und Laub dichte Decken gelegt. Für jeden gab es zum Zudecken eine Wolldecke. Die Decken hatte der Einsiedler selbst gewebt. Als sie sich eingekuschelt hatten, klatschte der Einsiedler einmal in die Hände und die Glühwürmchen knipsten ihr Licht aus. Dann dauert es nicht lange und sie befanden sich im Reich der Träume.

Lovrix träumte, er ginge in eine tiefe dustere Höhle. Ganz hinten in der Höhle saß sein Urgroßvater, den er noch nie gesehen hatte. Irgendwie war der Traum schon eigenartig. Der Uropa wollte ihm etwas sagen, aber Lovrix konnte es nicht hören. Schade!

Dafür wachte er auf und räkelte sich. Der Einsiedler war auch wach geworden. Sie wünschten sich einen guten Morgen, wischten sich den Schlaf aus den Augen und gingen nach vorn. Lovrix half das Feuer zu entfachen. Als es brannte gab der Einsiedler dem Jungen einen Krug und sagte: „Wir rennen jetzt zum Bach, waschen uns und bringen Wasser mit.“

Glasklar sprudelte das Wasser unter einen Felsen hervor und füllte einen niedlichen Teich. Aus ihm schöpfte Lovrix welches in den Krug. Dann wuschen sie sich im Bach und gingen zur Höhle zurück.

Einsiedler goss Wasser in einen Kessel und hängte diesen über das Feuer. Bis es kochte hatten sie Zeit, vor der Höhle den Tisch zu decken. Käse, Marmelade und einen Krug mit Milch nahmen sie aus einem Loch in der Höhlenwand. In diesem Felsloch war es kalt, wie in einem Kühlschrank. Inzwischen kochte das Wasser und der Einsiedler brühte für sich Tee auf. Selbst gebackenes Brot und Honig von wilden Bienen, hatte Lovrix noch auf den Tisch gestellt. „Nimm mich auch mit“, ließ sich das Eichhörnchen hören. Der Junge trug es hinaus und nahm ihm ein paar Nüsse mit.

Nun ließen sie es sich schmecken. Freche Wespen und fleißige Bienen mopsten sich von der Marmelade. Vögel sangen in den Bäumen ihre Lieder. Meisen, Spatzen und Finken flogen neben den Tisch und pickten Brotkrumen auf. Manchmal kam auch ein Mäuslein angeflitzt und schnappte ihnen etwas weg. Als alle satt geworden waren, räumten sie den Tisch ab. Danach setzten sie sich in die Höhle und Einsiedler erzählte über die alten Bücher und dass er früher mit Lovrix’ Uropa oft Edelsteine gesucht hatte.

"Wir fanden sie unter und zwischen den Wurzeln der Bäume. Auch in eurem Wald gibt es welche. Nimm dir Spaten und Hammer, geh in den Wald und grabe zwischen den Wurzeln. Meist findest du runde oder ovale dunkelrote Steine. In ihnen ist Achat und Bergkristall. Du musst sie nur aufschlagen, dann wirst du staunen."

"Das ist ja toll. Sobald ich wieder zu Hause bin, werde ich es tun und nehme Ilexia mit. Sie wird Augen machen."

"Wenn wir heute noch Zeit haben, gehen wir in eine andere Höhle, dort zeige ich dir wo man Bleiglanz und Pyrit findet. Im Bleiglanz ist Silber enthalten, darum ist er besonders wertvoll."

"Was ist Pyrit?" fragte Lovrix.

"Das ist fast reiner Schwefel. Darum wird dieses Erz auch Schwefelkies genannt."

"Lass und jetzt in den Wald gehen und Beeren sammeln, damit es einen leckeren Nachtisch zum Mittagessen gibt. Dabei zeige ich dir auch Kräuter. Aus einigen wird Tee und mit anderen kann man Tinkturen und Salben zubereiten. Mit diesem Wissen kannst du in Zukunft kranken Elfen, Menschen und Tieren helfen." Bei seinen Worten dachte er an das Eichhörnchen und blickte in die Tasche, in der es noch friedlich schlief.