Einsiedlerhöhle

„Danke für die Grüße und das Mitbringsel.“, sagte der Einsiedler. Dann nahm er das Eichhörnchen aus dem Korb. Er sah es sich genau an: „Gebrochen ist nichts, es wird nur einige Prellungen haben. Das tut sehr weh. Ich habe eine Tinktur. Davon tropfe ich etwas auf die schmerzenden Stellen.“

Einsiedler verschwand in der Höhle und kam mit einem kleinen Fläschchen zurück. Nachdem er das Eichhörnchen versorgt hatte, legte er es in die Tasche zurück.

 

„Du hast bestimmt Hunger nach dem weiten Weg“, sagte der Einsiedler. „Wir können draußen essen. Es ist hell genug und warm ist es auch“.

Sie trugen das Essen aus der Höhle und stellten alles auf den Baumstamm, der als Tisch diente. Herrlich duftete der Gemüseauflauf, welcher dick mit Käse überbacken war. So etwas Gutes hatte Lovrix lange nicht gegessen. Als Nachtisch gab es Walderdbeeren. Es war ein richtiges Sonntagsessen und dabei war Mittwoch. Doch das machte im Einsiedlerwaldkeinen Unterschied, da war jeder Tag Sonntag.

Nachdem sie die wunderbaren Sachen verspeist und den Tisch abgeräumt hatten, wurde Lovrix’ Neugier immer größer. „Erzählst du mir jetzt von meinem Uropa?“, wandte er sich ungeduldig an den Einsiedler. Der alte Mann schüttelte den Kopf und vertröstete den Elfenjungen; „Ich verstehe, dass du neugierig bist. Doch jetzt möchte ich mit dir den Abend genießen. Zum Erzählen ist noch genug Zeit.“

Die Sonne hatte längst ihre Strahlen versenkt und der Mond war an ihre Stelle getreten. Als Vollmond leuchtete er auf die beiden herab und tauchte sie in sein silbernes Licht. Die weißen Haare und der Bart von Einsiedler glänzten im Mondlicht, es sah alles aus wie verzaubert. Lovrix hatte das Körbchen mit dem Eichhörnchen neben sich auf die Bank gestellt und streichelte vorsichtig sein Köpfchen.

Ein Käuzchen ließ sein Kiwit, Kiwit hören. Der Uhu strich fast lautlos durch die Bäume. Als er über die Lichtung vor der Höhle schwebte, staunte Lovrix über seine mächtigen Schwingen. Es raschelte, ein Mäuschen kam angesaust. Es guckte Lovrix mit seinen Perlenaugen an und piepste: „Ach ist das schön hier!“

„Ja“ sagte Lovrix „und es ist schön, dass du uns besuchst.“

Das Mäuschen krabbelte an Lovrix Bein hoch. Als es auf seinem Knie saß ließ es ich von ihm streicheln. Dann hielt er ihm Brotkrumen und ein Käsekrümel hin: „Hier habe ich etwas für dich, lass es dir gut schmecken.“

„Das schmeckt aber lecker, danke. Nun habe ich es eilig in mein Nest zu kommen.“, piepste das Mäuschen. Dann nahm es Lovrix Bein als Rutschbahn und rannte los.

Im Mondlicht spielten Mücken, die auch manchmal die Beiden stechen wollten. „Dort sind Glühwürmchen. Und so viele“, rief Lovrix vor Freude.

„Siehst du die Fledermäuse? Sie wohnen in Höhlen. In meiner sind auch welche“, erzählte der Einsiedler voller Stolz.

Ganz in der Nähe erklang ein Froschkonzert. Die Oberfläche des Teiches, in dem die Frösche sangen, glänzte im Mondschein wie die Sterne am Himmel.

Der Einsiedler dachte an die alten Zeiten zurück, als Lovrix’ Uropa ihn manchmal besuchte.

Lovrix flüsterte andächtig: „Es ist wunderschön in deinem Wald.“

„Ja“ bestätigte glücklich der Einsiedler „und jetzt freue ich mich, dass du hier bist. So ist es noch schöner.“

Sie hatten sich beide gleich lieb gewonnen. Es war, als würden sie sich schon immer kennen.