Drachenpost

Bevor sie ihre Rucksäcke schulterten, um zurück zu laufen, sahen sie ein Erdmännlein aus der Drachenerzhöhle kommen. Auf seiner Schubkarre lag ein rötlicher, goldig schimmernder Stein. „Was ist das für ein Stein?“, fragte der Junge. „Das ist ein seltener Edelstein. Er heißt Goldfluss“, antwortete das Erdmännchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Nun wundere ich mich aber, wieso wir solche Steine nicht gefunden haben.“, entgegnete Lovrix.

„Goldfluss findet man in einer besonderen Höhle hier. Jeder Bewohner vom Einsiedlerwald darf nur einmal im Jahr danach suchen.“, brummte der Wächterdrache.

„Wenn das so ist, möchte ich mir den Stein noch genau anschauen und dann laufen wir los.“, meinte Lovrix und betrachtete ihn von allen Seiten.

Trotz der schweren Rucksäcke kamen sie auf dem weichen Moosboden gut voran. Es war nicht zu warm, Wind säuselte durch die Bäume und eine dicke Hummel brummte an ihnen vorüber. Frösche probten fürs Sommerkonzert und die Vögel zwitscherten dazu. Auf einer kleinen Wiese sahen sie spielende Hasenkinder. In den Bäumen zankten sich drei Elstern.

Über ihren Köpfen flog ein Drache und ein längliches, rundes Paket fiel zu Boden. Lovrix hob es auf. „Was ist das?“, fragte er.

Ob ihr es glaubt oder nicht. Das war eine Poströhre. Sie kamen im Einsiedlerwald mit der Drachenpost. Wenn der Postdrache unterwegs jemand sah, der einen Brief bekommen sollte, warf er ihn einfach ab. Lovrix war gespannt, was der Einsiedler für Post bekam. Dieser holte den Brief aus der Rolle. Nachdem er ihn gelesen hatte, sagte er zu Lovrix: „Die Gnomen schreiben mir, dass es ihrem Kind besser geht. Sie hoffen, es ist in zwei Tagen wieder gesund. Dich soll ich von ihnen grüßen.“

„Das ist ja toll, da freue ich mich mit“, sagte Lovrix.

Im Gras raschelte es. Als sie nach unten sahen, bemerkten sie eine kleine Schlange. Die sah richtig niedlich aus. „Wo kommt ihr denn her?“, wisperte sie ihnen zu.

„Wir haben Erze und Edelsteine gesucht“, sagte Lovrix, „und auch welche gefunden.“

Als die Schlange sich davon geschlängelt hatte, rannten drei Gnome vorbei. Sie hatten es eilig, um nach Hause zu kommen.

Einsiedler und Lovrix stapften weiter. Der Wind nahm zu und immer mehr Wolken zogen am Himmel auf. Noch war es schön, sah aber nach Regen aus. Sie beeilten sich, obwohl die Rucksäcke schwer auf ihre Rücken drückten. Als sie die Einsiedlerhöhle erreicht hatten, waren sie erleichtert. Sie ließen die Last vom Rücken fallen, setzten sich erst einmal hin und ruhten von den Strapazen aus. Nach ein paar Minuten entfachten der Einsiedler das Feuer und hing den Kessel mit Wasser darüber, um Tee zu kochen.

Lovrix beschäftigte sich inzwischen mit den Schätzen und leerte die Rucksäcke. Alle Erze und Edelsteine, die im Licht der vielen Glühwürmchen funkelten, legte er auf eine Bank. Besonders stolz  war der Elfenjunge über den Bergkristall und den großen Amethyst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tee war fertig, Lovrix und der Einsiedler saßen am Tisch in der Höhle und freuten sich über das, was sie miteinander erlebt hatten. Lovrix meinte noch: „Was war das für ein aufregender und erlebnisreicher Tag.“, bald krochen sie unter ihre Wolldecken. Es dauerte nicht lange und sie schliefen ganz fest.