Ilexia und die Edelsteine

An einem sonnigen Morgen im Elfenwald Immergrün verlässt Ilexia ihre kleine Höhle. Sie hat ihr in der Nacht

Wärme und Schutz vor dem Regen geschenkt. Über Verothilien war ein gewaltiges Unwetter hereingebrochen. Regen prasselte, Blitze zuckten am Himmel und Donner grollte. Es war zum Fürchten. Aber nun scheint wieder die Sonne und das Elfenmädchen krabbelt heraus. Sie läuft über die regennasse Wiese und freut sich auf einen abenteuerreichen Tag. Ganz heimlich in ihrem Herzen hofft sie, dass Lovrix kommt, denn sie hat ihn einige Tage nicht gesehen.

Es dauert nicht lange und der Elfenjunge schlendert auf die Lichtung. Ilexia tut so, als hätte sie ihn nicht bemerkt. Als sie sich doch zu ihm umdreht, sieht sie ihn ungläubig an. "Was willst du denn mit Spaten und Hammer?"

"Überraschung, komm mit in den Wald und ich zeige es dir."

„Womit willst du mich überraschen?“, fragt Ilexia.

Doch Lovrix ist schon losgestiefelt. Sie hüpft ihm hinterher und ruft: „Bitte, sage es mir!“ Am Waldrand angekommen, hofft sie, dass Lovrix das Geheimnis lüftet. Doch er grinst sie nur an und läuft weiter. Ilexia versucht ihm den Spaten weg zu nehmen. Aber er ist schneller und verschwindet in den Haselnusssträuchern. Die kleine Elfe saust hinterher, so schnell es geht, denn sie will ihn nicht verlieren. Das ist gar nicht so einfach, denn zwischen den Haselnüssen wachsen auch Brombeeren. Mir ihren dornigen Zweigen wollen sie das Elfenmädchen festhalten und kratzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als sie die Sträucher und niedrigen Nadelbäume hinter sich gelassen haben, gelangen sie in einen prächtigen Mischwald. Sie staunen über die riesigen Bäume, unter ihrem Schatten ist es wie unter einem großen Dach.

Ein seltsames Geräusch lässt sie aufhorchen. Lovrix schaut in die Richtung aus der es kommt und entdeckt  einen Wurzelzwerg, der sich mit einem Gnom streitet.

"Warte bitte! Ich komme gleich wieder" sagt er zu Ilexia und rennt zu ihnen.

„Meine!“, ruft der Zwerg.

„Nein meine, ich habe ihn zuerst gesehen“, zetert der Gnom.

„Und ich hob ihn auf!“, schreit der Zwerg unwillig.

„Ach du willst immer alles haben. Diesmal ist er meine.“ Der Gnom ballt die Faust und schreit: „Wir werden gleich wissen wer ihn bekommt!“

Einen roten Stein hält der Zwerg in der Hand, den jeder haben will.

Lovrix grinst und meint: „He ihr beiden. Was soll das Gezanke? Passt auf!“

Er nimmt seinen Hammer, schlägt den Stein in der Mitte durch und gibt ihnen je eine Hälfte. Als die beiden jeder einen Teil in der Hand halten, gucken sie ganz verdattert.

Lovrix läuft lachend zu Ilexia, deren Augen immer größer werden.

Was wird er nur vorhaben, überlegt sie, um etwas Geheimnisvolles muss es sich handeln.

Suchend sieht sich der Elfenjunge um, geht noch einige Schritte und bleibt vor einer riesengroßen Kiefer stehen. Der Baum ist so hoch, dass sie die Spitze nicht sehen können. Zwei Schritte weg vom Stamm, zwischen den Wurzeln, beginnt er zu graben. Was kann da sein? Eine Schatzkiste oder gar Knochen von Urtieren? Ungeduldig hüpft Ilexia von einem Fuß auf den andern.

Wortlos arbeitet Lovrix und schaufelt ein Loch in den lockeren Waldboden. Dann steckt der Junge den Spaten neben sich und nimmt einen rotbraunen, fast runden Stein aus der Erde. Diesen legt er auf die dicke Wurzel und gräbt weiter. Ilexia wird immer ungeduldiger. Soll sie fragen was der Stein bedeutet? Oder ist es besser zu schweigen? Sie entscheidet sich zu schweigen.

Lovrix findet noch so einen Stein. Dieser ist größer, er legt ihn zu dem anderen auf die Wurzel. Dann nimmt er den Hammer, schlägt den ersten Stein auf und gibt Ilexia eine Hälfte.

„Was ist das?“, ruft sie erstaunt. gelbe und rote Bänder sehen sie. Es wirkt wie eine kleine Festung.

Als er den anderen Stein aufgeschlagen hat, werden ihre Augen immer größer. „O!“ rufen sie wie aus einem Mund, „ist der Stein schön.“ Dieser strahlt innen wie ein klarer Bergkristall. Am äußersten Rand ziehen sich unter der rotbraunen Schale farbige Bänder um den funkelnden Kristall

„Was sind das für wundervolle Steine?“, fragt Ilexia mit großen Augen.

„Es sind Achate“, erzählt Lovrix. „Sie sind zwischen den Wurzeln der Bäume gewachsen.

Und wenn die Elfen und Wurzelzwerge sie nicht alle hervorgeholt haben kann es sein, dass auch Menschenkinder welche finden.“