In der Drachenerzhöhle

Lovrix zündete die Fackeln an. Ehrfurchtsvoll betraten sie die Höhle und tauchten in ihre Geheimnisse ein. Langsam liefen sie durch einen großen Raum. Es raschelte und ein Mäuslein huschte dem Einsiedler zwischen den Füßen hindurch. Aufgescheuchte Fledermäuse flatterten über ihren Köpfen. Es dauerte nicht lange, da hatten sie sich beruhigt und hingen wieder an der Höhlendecke. Je weiter sie in die Höhle vordrangen, umso kälter wurde es. Gut, dass sie Jacken dabei hatten. Der Einsiedler war schon oft in der Drachenerzhöhle gewesen und kannte sich aus.

Sie kamen schnell voran. Durch einen breiten Gang betraten sie einen großen Raum. Das Licht der Fackeln streifte seine Wände. Sie waren von Erzadern durchzogen. Es funkelte und glitzerte. Im nächsten Raum tropfte Wasser von oben. Der Kalk, welcher sich abgesondert hatte, hing wie Eiszapfen an der Decke. In einem kleinen Höhlensee spiegelte sich das flackernde Licht der Fackeln wieder. Vom Grunde des Sees glitzerte es silbern durch das kristallklare Wasser.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bleiglanz

„Wahnsinn“, sagte Lovrix. „Wie schön es hier unten ist. Wieso wohnt hier niemand?“

„Der Wächterdrache wohnt hier, sonst gehört die Höhle allen, die im Einsiedlerwald wohnen. Jeder darf sich aus ihr Erze und Edelsteine holen. Die Zwerge, Gnome und Erdmännlein fertigen Schmuck aus Silber und Edelsteinen. Was sie davon nicht selbst gebrauchen, tauschen sie bei den Menschen gegen Dinge ein, die sie nicht herstellen können.“

Während sie sich unterhielten, kamen sie an eine Gabelung. Der Einsiedler ging in den linken Gang. In ihm konnte er gerade noch aufrecht gehen. Überall an den Wänden sahen sie Erzadern und manchmal sogar Edelsteine, die ihnen entgegen glitzerten. Lovrix war so glücklich, dass er das alles erleben durfte. Am Ende des Ganges gelangten sie in einen großen, fast runden Raum, der viel höher als der Gang war. Lovrix bemerkte, dass überall Steine lagen. In den Wänden und auch im Boden sah er Löcher. In diesem Teil der Höhle wurden die Erze und Edelsteine ausgegraben oder aus den Wänden geschlagen. Hier durften auch sie sich Edelsteine und Erze nehmen.

Nachdem sie die Fackeln in Halterungen an der Wand gesteckt hatten, blickten sie sich erst einmal um. Lovrix staunte mit großen Augen über die Pracht, die ihn umgab. Der Einsiedler machte sich an die Arbeit und grub an einem der Löcher weiter. Es dauerte nicht lange, da lag eine Menge Bleiglanz neben ihm. Er brauchte wieder Blei und Silber, welches er aus dem Erz schmolz. Auch er fertigte Schmuck und Gegenstände daraus, sogar silberne Becher.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pyrit

In einem anderen Loch fand der Einsiedler Schwefelkies, der wie Gold glänzte.

Lovrix hatte in der Wand eine Ader entdeckt, die bläulich schimmerte. Zuerst ganz hell, fast wie Bergkristall. Nach unten wurde sie immer dunkler und am Ende war sie tintenblau.

„Was ist das?“, fragt Lovrix verwundert.

„Das ist Amethyst. Davon nehmen wir auch etwas mit. Wir müssen ihn vorsichtig mit Hammer und Meißel heraus schlagen. Du kannst es ja schon einmal versuchen.“

Amethyst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Einsiedler wollte auch Zinkblende mitnehmen. Das ist Zinkerz, wie es der Name schon sagt.

Und dann hatte er noch großes Glück, denn er fand Kupfererz. Sogar ein paar fast reine Kupferstücke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lovrix hatte inzwischen Amethyst aus der Wand geschlagen. Der Einsiedler half ihm, damit er ein besonders schönes Stück in den Händen halten konnte.

Als sich Lovrix aufmerksam in der Höhle umsah, entdeckte er einen wunderschönen Bergkristall. Dieser sah aus, als wäre er geschliffen und war durchscheinend wie Glas. Er zeigte ihn dem Einsiedler und dieser sagte: „Den Kristall darfst du behalten. Du hast ihn gefunden. Auch der große Amethyst gehört dir. Von den Erzen gebe ich dir einige mit, damit du sie den anderen Elfen zeigen kannst.

Die ersten Fackeln waren heruntergebrannt. Neue hatten sie angezündet und arbeiteten so schnell sie konnten weiter. Doch bald mussten bald einpacken, denn sie brauchten noch Licht für den Rückweg. Sie verteilten die Edelsteine gleichmäßig auf die zwei Rucksäcke, die sie mitgenommen hatten, und liefen schweigend zum Ausgang zurück. Lovrix war noch immer von dem Anblick der wertvollen Steine so überwältigt, dass er kein Wort hervorbrachte. Außerdem drückte der Rucksack schwer, dass er unter der Last vor Anstrengung keuchte.

Am Ausgang der Höhle angekommen,  mussten sie sich erst wieder an das Sonnenlicht gewöhnen. Der Einsiedler berichtete dem Wächterdrachen, was sie alles gefunden hatten. Dann setzten sie sich ins Gras um etwas zu essen, denn sie hatten ja noch zwei Stunden Weg vor sich.