Lovrix auf dem Weg zum Einsiedler

Ilexia putzt den Spaten mit einem Stöckchen ab und wischt mit feuchtem Gras darüber. Dabei sagt sie: „Was ist das für ein schöner Tag Lovrix? Einfach so findest du Edelsteine zwischen den Wurzeln der Bäume. Und ich denke, so etwas kommt nur in den Märchen vor, die unsere Großmutter immer erzählt. Weißt du noch, als sie von den sieben Zwergen erzählte? Sie fanden im Wald oder in Höhlen auch Erze und Edelsteine.“

„Ach Ilexia, bis vor wenigen Tagen dachte ich das auch. Doch dann verließ ich unseren Wald, um mich im Nachbarwald umzusehen. Gleich am ersten Tag kam ich zu einem Einsiedler. Er erzählte mir von den Geheimnissen der Edelsteine. Doch lass es mich der Reihe nach erzählen. Nach allen Seiten blickend, lief ich in den Wald hinein.“

„Hast du denn gar keine Angst gehabt so allein in einem fremden Wald?“, fragt Ilexia ganz aufgeregt.

„Aber nein!“, sagt Lovrix „wovor sollte ich denn Angst haben, mein Herz hat schon etwas heftiger geklopft, aber Angst hatte ich keine.“

„Und wie geht es weiter? Sag schon, was hast du alles gesehen und erlebt?“

„Zuerst nicht viel Neues. Dieser Wald sieht genauso aus wie unserer.“

 

 

 

„Hallo Kinder, ich erzähle euch jetzt was Lovrix alles erlebte, als er mich besuchte. Wer ich bin? Gebt Acht, ihr werdet es bald erfahren.“

 

Lovrix ging, leise vor sich hin summend, in den Wald hinein. Ein Marienkäfer setze sich auf seinen Arm. Der Elfenjunge sah zu, wie er herum krabbelte. Manchmal öffnete der Käfer die Flügel, als wollte er los fliegen. Doch bevor er weiter flog, sagte er: „Achte auf die große Blume, sie will dir etwas sagen!“ Dann schwirrte er davon.

 


Lovrix lief er weiter und grübelte, was die Blume ihm wohl sagen will. Wind rauschte durch die Bäume. Insekten sausten durch die warme Sommerluft.

Und überall zwitscherten Vögel, die auf den Bäumen saßen. Es war einfach himmlisch.

Eine seltsame Pflanze erregte seine Aufmerksamkeit. Sie sah einer Sonnenblume ähnlich. Hatte aber viele Blüten die sich nicht alle nach der Sonne gedreht hatten.

Vorsichtig trat er näher und bemerkte, dass sich die Blüten unterschiedlich bewegten. Diese Bewegungen kamen nicht durch den Wind. Die Blüten drehten sich, bewegten sich voneinander weg und aufeinander zu. Er hörte Stimmen. Es war, als redeten die Blüten miteinander.

Lovrix fragte neugierig: „Was bist du denn für eine seltsame Blume?“

„Ich bin die Sonnenvergissmeinnicht Blume.“

 

„Wie, was, so etwas habe ich noch nie gesehen und auch nicht davon gehört.“

„Das kannst du auch nicht. Ich wohne nur hier im Einsiedlerwald.“

„Und was tust du hier?“

„Ich bekomme Nachrichten und gebe sie weiter. Meine Blüten hören auf das, was die Sonne ihnen sagt. Auch Vögel und Insekten bringen Nachrichten. Jede Blüte hat eine andere Aufgabe.“

„Was sind das für Aufgaben?“

„Die Nachrichten merken, damit sie nicht vergessen werden. Eine Blüte merkte sich zum Beispiel die Nachricht, dass ein Elfenjunge in den Wald kommt, das sagte sie einer anderen Blüte, die nach ihm Ausschau halten sollte.“

„Und dann habt ihr mich mit eurem Gemurmel angelockt.“

„Genau so ist es, denn wir haben eine Botschaft vom Einsiedler für dich.“

Der Elfenjunge schaute sich erstaunt um. Die Blüten der Sonnenvergissmeinnicht Blume bewegten sich und er hörte sie flüstern. So richtig konnte er nicht verstehen, was sie sagten. Die Schönste und Größte von allen Blüten der Sonnenvergissmeinnicht Blume sprach ihn an: „Der Einsiedler, nach dem dieser Wald benannt ist, möchte dich gern persönlich kennenlernen. Er will dir etwas von deinem Urgroßvater erzählen. Er hat auch einige sehr wertvolle Gegenstände, die dein Uropa ihm zur Aufbewahrung anvertraut hatte. Der Einsiedler kannte deinen Urgroßvater sehr gut. Ich glaube, sie waren sogar Freunde.“
Lovrix machte einen Freudensprung und wäre dabei fast davon geflogen. Doch die Bäume streckten ihre Äste aus und hinderten ihn daran. „Lovrix, du musst die Sonnenvergissmeinnicht Blume nach dem Weg zum Einsiedler fragen.“, riefen sie ihm zu.

Ob er auch einen Namen hat? Bestimmt! Die Blume weiß ihn sicher. Als der Elfenjunge wieder vor ihr stand, fragte er: „Liebe Blume, weißt du den Namen vom Einsiedler?“

„Ich glaube er hat gar keinen Namen. Alle sagen einfach nur Einsiedler zu ihm.“

 „Nun bin ich aber gespannt wie ein Flitzebogen und kann es kaum erwarten bei ihm zu sein.“

„Du wirst ihn bald kennenlernen. Bedenke aber, es liegen noch einige Stunden Weg vor dir.“

„Danke für alles und nun sage mir bitte noch, wie ich den Weg zum Einsiedler finde.“

„Du gehst zuerst immer geradeaus zwischen den Bäumen hindurch, bis du an eine Gabelung kommst. Da nimmst du den rechten Weg und wirst vor Sonnenuntergang seine Höhle erreicht haben. Bevor du gehst, ziehe dir da drüben beim Apfelbaum Möhren aus dem Feld, pflücke auch Äpfel und nimm dem Einsiedler davon mit.“