Noch mehr Schätze

Lovrix konnte sich an den Steinen gar nicht satt sehen. Einen nach dem anderen nahm er, um sie zu betrachten. Der Einsiedler nannte ihm die Namen der Edelsteine: Achat, Amethyst, Tigerauge, Rosenquarz, Jaspis, Bergkristall, Türkis, Granat, Saphir, Rubin und sogar ein kleiner Diamant war dabei. Immer wieder musste der Elfenjunge sie ansehen. Solche schönen Steine hatte er noch nie gesehen. Und sie sollten alle ihm gehören? Er konnte es noch gar nicht fassen. Der Einsiedler riss ihn aus seinen Gedanken: "Das Stück versteinerte Holz gehört dir auch. Weil ich es immer wieder einmal ansehen wollte, hatte ich es in das Regal gestellt."

Lovrix stelle das Kästchen auf den Tisch und legte die Steine vorsichtig wieder hinein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun wollte er sich den eigenartigen  Stein ansehen. Er nahm ihn heraus und fragte:

"Einsiedler, was ist das für ein Stein?"

"Vor vielen Jahren, du warst noch nicht geboren. Da lebte in einem Menschenkinder Wald, der sich DDR nannte, ein kleines Volk. Die Mächtigen, die das Volk regierten, hatten Angst, dass die Menschen aus dem Wald weglaufen könnten. Damit das nicht geschah, zogen sie Stacheldraht um ihn herum und ließen sogar Strom durch fließen. Mitten durch die Hauptstadt Berlin bauten sie eine große Mauer.

Die Stadt, wie auch ihr Wald, waren nach einem schlimmen Krieg geteilt worden. Den Wald hatten die Gewinner des Krieges in Ost- und Westwald geteilt, obwohl sie ein Volk waren. Die geteilte Hauptstadt befand sich im Ostwald.

Die Menschen sprachen auch immer noch die gleiche Sprache. Aber die wenigen im Ostwald, auch DDR genannt, die Angst hatten, dass das Volk weg läuft, mochten die im anderen Stadtteil nicht. Am wenigstens konnten sie die Regierung im anderen Teilwald leiden. Darum redeten sie den DDR-Wald Bewohnern ein, dass die anderen böse wären.

Doch viele im Volk des DDR-Waldes wollten zu ihren Schwestern und Brüdern im anderen Wald, den sie BRD nannten und im anderen Teil der Hauptstadt. Darum sagten sie zu ihrer Regierung: "Wir wollen zu unseren Schwestern und Brüdern, reißt die Mauer ein, die brauchen wir nicht!"

Damit es die Regierenden endlich kapierten, demonstrierten die Menschen. Überall wurden die Stimmen laut: „Wir sind ein Volk“, „wir gehören zusammen“ und irgendwann mussten die wenigen, die Macht hatten, das einsehen. Sie öffneten die Grenzen und ließen die Mauer in der Hauptstadt wegreißen.

Da kamen viele Leute gelaufen. Jeder wollte ein Stück von dieser Mauer als Andenken haben. Zufällig war dein Uropa gerade dort. Er besuchte einen Freund. Weil er nun einmal da war, nahm er sich auch ein Stück von dieser Mauer mit und nun bekommst du es."

Lovrix blickte noch einmal in die Truhe. Da war noch das Eingewickelte. Als er es auspackte, kamen zwei Steine zum Vorschein. Einer war groß, dick und klobig. Es sah aus, als hätte ihn jemand so bearbeitet. Der andere war richtig niedlich, auch an ihm war etwas abgeschlagen. "Was sind das für Steine?" fragte Lovrix neugierig. 

"Sie sind auch viele Millionen Jahre alt wie die Edelsteine. Diese hier sind vor etwa 10.000 Jahren von Menschen als Werkzeuge benutzt worden. Deshalb wird diese Zeit auch Steinzeit genannt. Der große ist ein Faustkeil. Man konnte ihn in die Hand nehmen und damit etwas bearbeiten. Der kleine Stein ist ein Messerchen. Die Steinzeitmenschen benutzten es zum Schaben und Kratzen. Diese Steine hatte dein Urgroßvater von seinen Wanderungen mitgebracht. Er fand sie irgendwo im Geröll."

"Das war ja spannend", sagte Lovrix, "da muss ich ja meinem Uropa richtig dankbar sein, wenn er mir solche wertvollen Sachen hinterlässt."

"Ja, das solltest du und bewahr sie gut auf. Deine Kinder und Enkel sollen sich auch an ihnen freuen können."