Raubkatzen, Wildschweine und Bergziegen

Die beiden waren so müde, dass sie fast den neuen Tag verschliefen. Erst als das Eichhörnchen wie verrückt durch die Höhle sauste, wurden sie wach.

„Was hat es denn?“, fragte Lovrix.

„Wir werden gleich einmal nachsehen. Müssen sowieso zum Bach“, antwortete der Einsiedler. Als sie die Höhle verließen, mussten sie blinzeln. Die Sonne stand schon hoch und es war sehr hell. Da, im Gebüsch lag ein schwarzes Tier und davor schlich noch eins herum, das war größer. Zwei Raubkatzen. Mutter und Kind. Ob es sogar schwarze Leoparden waren?

Im Einsiedlerwald war alles möglich. Leise schlichen sie sich zum Bach, um die beiden nicht zu erschrecken. Als sie zurückkamen, waren die Tiere nicht mehr zu sehen. Das Eichhörnchen hatte sich beruhigt. Inzwischen kochte das Teewasser. Lovrix stellte alles, was sie zum Frühstück brauchten, auf den Baumstumpf vor der Höhle. Als er die Milch aus dem Felsloch nahm überlegte er wo der Einsiedler sie herbekam. Ab und zu ging er in den Wald der Menschen. Dort tauschte er Erz und Edelsteine gegen Sachen ein, die es in seinem Wald nicht gab. Doch Milch musste er woanders herbekommen. Lovrix hätte es schon gerne gewusst.

„Es geht doch nichts über ein Frühstück in der Sonne“, bemerkte der Einsiedler. Lovrix trank von der Milch und fragte: „Wo nimmst du denn die Milch her?“

„Das wollte ich Dir heute zeigen. Gar nicht weit von hier sind Gamsen und Ziegen, zu denen ich gehe. Sie sind froh, wenn ich sie melke. So habe ich immer frische Milch. In meinem Felskühlschrank hält sie sich einige Tage. Aus ihr ist auch der Käse, den wir abends essen. Wenn wir in der Höhle Ordnung gemacht haben, gehen wir zu ihnen und holen Milch.“

Gemeinsam räumten sie auf. Lovrix übernahm den Abwasch. Als sie fertig waren, nahmen sie Eimer und Kanne, um zu den Ziegen zu gehen. Einen Korb für Pilze und Beeren vergaßen sie auch nicht. Man kann ja nie wissen, was einem im Wald alles über den Weg läuft. Um zu den Tieren zu kommen, mussten sie durch ein kleines Waldstück. Dort prasselte und knisterte es. Ein Rudel Wildschweine raste vor ihnen durch den Wald. Der Einsiedler und der Elfenjunge blieben ruhig stehen um sie zu beobachteten. Es war eine Wildsau mit ihren Frischlingen. Die sahen richtig lustig aus.

Dann standen sie vor einem Hang, die  Ziegen und Gamsen kamen ihnen mit fröhlichem Meckern entgegen. Von Lovrix ließen sie sich streicheln. Der Einsiedler begann eine Ziege zu melken. Als Lovrix es auch einmal probieren wollte, klappte das nicht so richtig. Der Ziege gefiel das nämlich gar nicht. Sie wäre fast in den Eimer getreten, der schon halb voll Milch war. „Weißt du was“, sagte der Einsiedler, „wenn du mich das nächste Mal besuchst, bringe ich dir das Melken bei.“

Auf dem Rückweg pflückten sie Beeren. Pilze hatten sie schon gefunden. In der Höhle angekommen, bereitete der Einsiedler das Mittagessen zu. Es duftete nach gebratenen Pilzen. Nach dem Essen sagte er zu Lovrix: „Ich habe noch etwas von deinem Uropa. Das sollt du jetzt bekommen und dann gehst du zurück in den Elfenwald. Du kannst ja bald einmal wieder kommen.“

„Dann komme ich aber mit Ilexia.“

„Das solltest du tun. Ich freue mich, sie auch kennen zu lernen.“

Der Einsiedler holte eine kleine Achatdruse. In ihr lagen zwei geschliffene Rosenquarze.

„Diese Steine haben deine Urgroßeltern zu Hochzeit bekommen. Sie sind darum ein ganz besonderes Andenken an sie“, erklärte er und überreichte sie dem Elfenjungen.